ELISABETH
Wahrheit ist immer das, woran man glaubt, wofür man lebt.
Er hat mich geliebt. Das ist die ganze Wahrheit. Seine Wahrheit.
Ich war jene, die ihm nicht glauben wollte. Das ist meine Wahrheit.
Zwei Wahrheiten können nicht miteinander existieren. Eine fordert die Vernichtung der anderen, um selbst zu bestehen, zu siegen.
Wahrheiten können nur nebeneinander sein, denn der Kampf, der unausbleiblich ist, wenn sie durch das menschliche Nähern aufeinander treffen, vernichtet sie beide.
So wird aus der doppelten - nichts. Nichts.
Nicht einmal zerstören lässt sich das Nichts.
Wäre ich mehr, so geläng' es mir doch.
Das Leben ist ein schlechter Lehrmeister, unterwies es mich doch stets, das Böse zu sehen. Am Ende verhöhnt es uns, wenn unsere selbst geschaffene Wahrheit uns hinter ihren Kerkermauern verschließt.
Es kann keine Wahrheit geben. Es darf keine Wahrheit geben. Es wäre zu schrecklich, gäbe es es eine Wahrheit.
Der Welten Grenzen liegen zu fern.
Elisabeth geht lautlos auf ihr Bett zu. Nach wenigen Momenten sinkt sie auf die Knie und vergräbt ihr Gesicht in einem Kissen.
Von der Straße hört man Vivat-Rufe und Kanonenschüsse. Das Volk feiert die Hinrichtung des Grafen Essex. >