Ausgerechnet am Morgen des Weihnachtstags war nicht nur das Feuer in ihrem Herd ausgegangen und kein Stückchen Glut, an dem sie einen Span hätte anfachen können, aus der Asche zu stochern, sondern auch der Feuerstein durch die Feuchtigkeit des Winters so porös geworden, dass trotz hartnäckiger Bemühungen kein Funke zu schlagen war, der ausreichte, den Zunder aus Heu, Distelwolle und Kiefernadeln zum Glimmen zu bringen.
Marguerite Porète bemerkte die Misere, als sie im Begriff war, feierlich die Weihnachtskerze, die sie von der geschwätzigen Marktfrau vor dem Baugerüst der Kirche Saint-Géry im nahegelegenen Valenciennes erhalten hatte, am Stubentisch zu entzünden. Als Gegenleistung für das liebevoll gezogene Kunstwerk aus Wachs hatte sie den beiden Buben der Standlerin Unterweisungen im Rechnen erteilt. Bei allem Wohlwollen sah sie darin mehr eine Übung ihrer Tugend der Geduld als eine bemerkenswerte Steigerung der Fähigkeit der Kinder mit Zahlen umzugehen, denn es fehlte den Bengeln noch die nötige Bereitschaft, den Erwerb von Wissen als Privileg und nicht als quälende Bürde anzusehen.
Wie anders war sie in diesem Alter gewesen! Wie dankbar war sie für jede Lektion gewesen, die ihre Eltern ihr, obwohl sie nur eine Tochter war, ermöglicht hatten! Selbst nun, im Alter von dreißig Jahren, fiel es ihr trotz ihres großen Wissens oft schwer, Bücher, die man ihr zum Studium geliehen hatte, wieder zurückzugeben.
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Am See angelangt spürte die Frau, wie warnende Worte versuchten, Furcht in ihr zu erwecken, sie zum Innehalten zu drängen und in der Flut ihrer unbändigbar kreisenden Gedanken zunehmend mächtiger wurden.
Sollte sie es wirklich wagen, über einen See zu gehen, von dem man nur annehmen, ja hoffen konnte, dass er ausreichend zugefroren war, um sie an seiner Oberfläche zu halten?
Welchen Sinn sollte sie darin finden, derartig Kühnes zu wagen, die Natur, ja das Schicksal so übermütig frech herauszufordern? Wer interessierte sich jemals dafür, wo die Grenze zwischen Mut und Verwegenheit, zwischen Vernunft und Dummheit verläuft, wenn der Ruf einer Verlockung alles übertönt? Auf der anderen, ihr so entfernten Seite strahlte das Licht, das in ihrem Begehren umso mehr an Faszination gewann, je gefährlicher dem Verstand das Erreichen erschien.
Sie war Marguerite vertraut, diese Stimme der Vernunft, der Vorsicht, der Feigheit vor dem Unbekannten, die sie stets warnen, nein zurückhalten wollte, wenn es ihr darum ging, ein Ziel, das sie selbst nicht kannte, zu erreichen. Jedoch das Licht ihrer Seele brannte in seiner sehnsüchtigen Liebe nach dem Licht in der Ferne so lebhaft, dass es die Dunkelheit der Vernunft erhellte.
Wie aus dem Nichts durchfuhr Marguerite ein Gedanke, den sie in Erinnerung behalten wollte, um ihn später niederzuschreiben: »Es ist das Licht der Liebe, das strahlt und erwärmt und die aus seinem Sein gespeisten Lebewesen ernährt.«
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