Wie so oft zuvor war er während seiner allabendlichen Meditation eingeschlafen, doch in dieser Nacht erwachte er nicht aufgrund eines stechenden Scherzes, den seine unbequeme Sitzposition hervorgerufen hatte, sondern dank der zahlreichen Glocken, deren festliches Geläute die Bewohner eindringlich ermahnten, das Festtagsgelage zu unterbrechen, um zur Mitternachtsmette zu eilen.
Mit geschlossenen Augen konzentrierte er sich auf die unterschiedlichen Klänge und versuchte aufgrund von Lautstärke, Rhythmus, Tonhöhe und Richtung zu eruieren, welcher der vielen Kirchen der jeweilige Glockenruf zuzuordnen ist.
Ein klarer, von wenig Geräuschen getrübter Ton, dessen Glocke unüberhörbar aus einer sehr edlen Legierung gegossen worden war, entstammte zweifellos dem nahegelegenen Turm von Sankt Peter. Obwohl er, was ihm viele Menschen zum Vorwurf machten, Neuerungen gegenüber sehr offenstand, hatte er sich noch nicht daran gewöhnt, wie die Römer voll Stolz die Bezeichnung „Alt Sankt Peter“ zu gebrauchen.
Als er, noch keine 30 Jahre alt, im Jahre 1576 zum letzten Mal in Rom verweilte, war die neue Basilika im Bau und niemand vermochte sich vorzustellen, wie ein Loch von über 40 Metern Durchmesser, das aus dem Dach klaffte, einmal von einer Kuppel, die der arrogante Florentiner Michelangelo entworfen hatte, geschlossen werden könne.
Allen Zweiflern zum Trotz, vermochten während der inzwischen vergangenen knapp zwei Jahrzehnten die Baumeister eine Kuppel zu vollenden, von deren Größe und Pracht die Menschen weit über die Stadt hinaus schwärmten.
Obwohl er in unmittelbarer Nähe zum neuen Wunderwerk untergebracht worden war, bot man ihm noch keine Gelegenheit, dieses zu bestaunen und sich ein Bild zu machen, was man von der ehrwürdigen konstantinischen Basilika, die für nahezu 1300 Jahre gedient hatte und immer mehr zum Antipoden des neuen Bauwerks geworden war, noch nicht niedergerissen hatte.
So weilte er in seiner Erinnerung in jener Basilika, die er so gut kannte. Wenn man die vier Stufen der breiten Treppe zum Vatikan hinaufgestiegen ist, sich mit den vielen Pilgern durch eine der engen Pforten gedrängt hatte, gelangte man in das weite Atrium mit seinem überdachten Brunnen aus Messing, der das Zentrum markierte und dem Säulengang, mit dem Mosaik von Giotto, der so prächtig war, dass man ihn „Paradies“ nannte. Von dort gelangte man direkt in die mächtige, fünfschiffige Basilika, deren Dach von den berühmten 88 Säulen getragen wurde.
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